20.November 2008 - 15.Dezember 2008


unsere Eindrücke...

Wir, das sind meine Frau Ranchi und ich, sind nun schon seit ca. 25 Jahren am Globus unterwegs – alles in allem sind es wahrscheinlich schon mehr als 3,5 Reise-Jahre, wo wir vorwiegend mit dem Rucksack völlig auf uns allein gestellt, in zahlreichen Abenteuern die Welt erkundeten.

 

Australien… - Warum bereisten wir diesen Kontinent nun schon das 4.Mal? Ist es die extreme Hitze? - die Weite, welche sich schier endlos über den Horizont zieht? Oder ist es einfach das Abenteuer?

Ich glaube es ist alles zusammen - was uns, an Australien so fasziniert…

 

Diesmal flogen wir Ende November 2008 für ca. 3,5 Wochen nach Downunder. Natürlich waren nicht die Großstädte wie Melbourne oder Sydney unser Ziel, sondern wie immer das tiefste Outback – Dort wo es weder Telefon, Strom, Toiletten oder sonst irgendwelche Annehmlichkeiten der modernen Welt gibt.

Nach einem endlos langen Flug erreichten wir endlich Darwin im Northern Territory. Die extrem heisse und feuchte Luft ist wie eine Mauer, welche einem beim Öffnen der Flughafentür entgegenschlägt. Es hatte ca. 43° und versprach noch viel heisser zu werden… Die extreme Feuchtigkeit in der Luft, gerade zu dieser Zeit muß man schon mögen, aber wir haben uns ja genau diese „Build-Up“-Season ausgesucht. Das ist genau jene Zeit wo der große Regen anfängt Leben in das Land zu bringen und dadurch die Luft extrem feucht werden läßt. Ich wollte ja nicht nur auf staubtrockenen Tracks herumkurven, sondern wir beide „Abenteuererprobten“ lieben es ja ein bisschen „tricky“. Während dieser Zeit kommen die Flüsse ja immer höher und es versprach eine interessante Reise zu werden.

Unser Auto war ein wüstentauglicher Landrover mit Schnorchel, 8L Hubraum und 280 PS. Im Auto hatten wir sämtliche Möglichkeiten eingebaut, vom Kocher, Bett bis hin zur Spüle, Solardusche und einem 20m² großen Vorzelt. Von Österreich nahm ich noch ca. 30kg Ausrüstung mit, unter anderem die beste Erfindung des Jahrhunderts: ein GPS. Zusätzlich führten wir noch ein Satellitentelefon mit - für evt. Notfälle…

Die erste Etappe ging durch den Kakadu NP. Es ist der Teil Australiens wo man eher tropisches Regenwaldklima vorfindet mit unendlich vielen Tieren als einsames Outback-Feeling. Der Regen hier hielt sich in Grenzen (ca. 3Std proTag) – dafür aber wurde die Landschaft immer mehr vom Wasser überflutet. Wir mieteten uns ein Boot und machten eine ca. 4std. Rundfahrt nähe Coinda. Und da waren sie – massenweise „Salties“ in freier Wildbahn. –

Für alle die es nicht wissen: Salties sind Salzwasserkrokodile, welche über 6m lang werden können. Sie kommen im NT im Meer, wie auch in den Flüssen vor und sind – wie sollte es auch anders sein – sehr gefährlich. Wir sahen während unserem Trip mind. 30-40 Stück, wobei die größten um die 5m waren… Während unsere Reise begegneten wir des Öfteren Krokodilen –manchmal auch nur den „Freshies“ – dies sind die Süßwassercrocs, welche für den Menschen aber nicht so gefährlich sein sollen.. (die Ozzis sind halt der Meinung, dass das so ist...).

Weiter ging es dann über die GIBB-River Road in die Tanami-Wüste und zu den Bungle Bungles.



Dies war mit Sicherheit die interessanteste Strecke unserer Reise.
Die „GIBB“ war gottseidank noch nicht gesperrt (die Flüsse steigen da tlw. bis zu 8m an und eine Durchquerung mit dem Auto wird dann unmöglich) Vermutlich waren wir unter den letzten Reisenden vor der Totalsperre die Strecke.



Während dieser Zeit leben die Farmer dort komplett auf sich alleine gestellt – Ihre einzige Verbindung zur Außenwelt ist deren Satelitentelefon. In der Trockenzeit gibt es dort vereinzelt einige Landepisten für Versorgungsflugzeuge oder den Flying Doctor Service, aber von Nov-März ist dort „tote Hose“

Da geht dann gar nix mehr.

Es ging hunderte Kilometer auf Schotterpisten dahin. Diese tlw. extremen Waschrumpelstrassen lassen sich am Besten nehmen, indem man mit mind. 70-80km/h fährt, was wiederum ein rel. großes Risiko birgt, dass einem Känguruhs, Kamele, Emus oder sonstiges Getier in das Auto läuft. Es ist schon komisch, wenn das GPS dann z.B. anzeigt: nach 720km rechts abbiegen, aber man gewöhnt sich dann. Das einzige auf was man aufpassen muß ist, dass man immer genug Sprit hat, aber mit unserem Zusatztank hatten wir 190L und das reichte schon mal über 1000km Outback…

Wenn man so alleine zu zweit unterwegs ist, dann hat man sehr viel Zeit zum reden. Dies sollte jeder mal probieren – man glaubt nicht, wie wichtig dann plötzlich wieder Kommunikation wird. Das hat man ja fast schon in unserer HighTech Welt verlernt. Hier gabs kein Fernsehen, kein Internet, etc… Hier darf man auch keine fatalen Fehler machen, sonst könnte es wirklich problematisch werden.

Bevor wir die erste Outback-Station auf dieser Reise erreichten, stand uns noch die erste Flußdurchquerung bevor. Je näher der Pentecast River kam, desto ruhiger wurden wir im Wagen. Jedem von uns beiden ging so einiges durch den Kopf, wie zB: wie tief ist der Fluß heute, müssen wir einige Tage campieren, da er zu tief ist, müssen wir vorher durchwaten um die Tiefe zu erkunden, wenn ja sind Krokodile im Wasser, usw, usw… Also langer Rede kurzer Sinn: wir erreichten schließlich den Fluß und wir konnten es fast nicht glauben: es war rel. viel Wasser was da daherkam – das andere Ufer war ca. 150m entfernt aber der Fluß dürfte vielleicht max. 50-70cm tief sein. Ich sah meine Frau an, stieg aus – versperrte die Freilaufnarbe – schaltete die Untersetzung rein und gab Gas. Es ging dann eine Ewigkeit im Schritttempo durch den Fluß. Schon komisch, wenn man links und rechts schaut und man sieht nur Wasser – fast wie in einem Boot… Ich dachte nur, dass ich ja nicht aus Reflex auf die Kupplung steige, denn dann käme Wasser zw. die Kupplungsscheiben und das Auto würde unweigerlich stehen bleiben – und keiner hatte Lust auszusteigen – und was hätten wir auch tun können? – nichts…

OK – Nach einer Ewigkeit erreichten wir „schweißgebaqdet“ die andere Seite des Flusses. Dies war dann der Auftakt von ca. 25 weiteren Flußdurchquerungen, welche zwar nicht mehr so lange, dafür aber viel tiefer waren. – Ich glaube die tiefste Stelle war ca. 80cm, aber es ging immer leichter und jedes Mal wenn wir über eine Hügelkuppe fuhren und auf der anderen Seite war ein Fluß, bekam ich dieses Leuchten in den Augen und das Abenteuer begann von Neuem…



Nach ca. 1 Woche erreichten wir die Ellen Brae Station – eine Rinderstation mit 1MIO Acres Land, 500km entfernt von den nächsten Farmen. Das dort lebende Ehepaar wunderte sich, dass wir es zu dieser Jahreszeit überhaupt bis dahin geschafft hatten und war demnach sehr erfreut, mal wieder mit jemanden zu reden. Wir hörten stundenlang deren Geschichten über das Outback zu und lernten auch sehr viel über das harte Leben im australischen Busch.

In der Nacht gab es dann ringsherum zahlreiche Gewitter und am nächsten Tag schwante uns schon fürchterliches, als wir weiter aufbrachen. Nach ca. 100km begannen wir immer mehr zu versinken. Wir fuhren stundenlang durch Matsch, Dreck und Rinnsalen. Es hatten sich über Nacht hunderte Flüsse gebildet, welche dann den Tracks entlang flossen und diese für uns fast unpassierbar machten. Da kam uns dann unsere jahrelangen Erfahrungen mit Allradautos zu Gute. Ich war froh, dass wir in so einem für diese Situation perfekten Auto unterwegs waren und dass meine Frau ebenfalls gleichviel Spass an dieser Art von Reise hat. Gar nicht auszudenken, wenn jemand mit von der Partie wäre, und permanent Angstzustände haben würde…


Sunset in Broome


Ausflug mit dem Wasserflugzeug zu den Whitsundays